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Sarajevo
Vanja ist heute 18 Jahre alt. Bei Kriegsausbruch war der Junge 6 Jahre alt. Sein Vater kämpfte als Soldat in der muslimisch dominierten Armee von Bosnien und Herzegowina, obwohl er kein Muslim ist. Das führte für den Vater und die gesamte Familie zu großen Problemen.
Diese schweren traumatischen Erlebnisse und der posttraumatische Stress beeinflussen das Leben des jungen Mannes auch heute noch sehr stark.
Vanja wurde von seinem Schulpädagogen auf die Arbeit von Wings of Hope aufmerksam gemacht. Er kam in unser Zentrum für psycho-soziale Unterstützung nach Sarajevo, um sich Hilfe zu suchen.

Srebrenica
Adisa ist 14 Jahre alt und hat im Krieg den Vater, drei Onkel, den Großvater und die Großmutter verloren.
Adisa lebte als Kleinkind in Srebrenica unter ständiger Lebensgefahr. Ihr Ort wurde jahrelang "granatiert" und von Scharfschützen belagert und beschossen. Sie erlebte mit, wie die frühere "UN-Schutzzone" von niederländischen Blauhelmsoldaten an den General der bosnischen Serben Ratko Mladic kampflos übergeben wurde. Die Großmutter war kurz vor der Übergabe ihrer Heimatstadt von einem Scharfschützen erschossen worden. Der Vater, der Großvater und drei Onkel wurden zwangsweise von der Mutter und dem Kind getrennt und im Massaker von Srebrenica hingerichtet. Die Mutter und die kleine Adisa wurden in den Kanton Tuzla deportiert.
Seit 8 Jahren leben sie und ihre Mutter als sogenannte "Binnen"-Flüchtlinge im eigenen Land, bisher in sieben verschiedenen Unterkünften, in den letzten zwei Jahren im Flüchtlingslager Mihatovici im Kanton Tuzla. Die soziale Situation ist bis heute äußerst schlecht und armselig.
Adisa wurde von der Schulpädagogin an die therapeutische Unterstützungsgruppe von "Wings of Hope" für traumatisierte Kinder im Flüchtlingslager Mihatovici überwiesen.

Sarajevo
Nikolina ist 19 Jahre alt und wurde von der Schulpädagogin auf die Arbeit unseres Zentrums in Sarajevo aufmerksam gemacht. Am Anfang der Arbeit mit ihr ging es um Krisenintervention, weil sie an diesem Tag einen "Anfall" hatte. Diese so genannten Anfälle äußern sich bei Nikolina darin, dass sie in Ohnmacht fällt und aufhört zu atmen, manchmal bis zu 30 Sekunden lang. Nach diesen Anfällen, die nicht auf Epilepsie zurückzuführen sind, hat sie bis zu 24 Stunden andauernde, sich aufdrängende Vorstellungen (Imaginationen), die unmittelbar verbunden sind mit traumatischen Erlebnissen. Nikolina kann sich aber an diese traumatischen Erlebnisse nicht erinnern. Nur Fragmente dieser Erlebnisse, die mit dem Ausrottungskrieg gegen die Zivilbevölkerung in Sarajevo, mit einer abenteuerlichen und gefährlichen Flucht aus der belagerten Stadt und dem Überleben als Flüchtling im benachbarten Ausland bei Verwandten zusammenhängen, sind Nikolina bewusst.
Diese Fragmente werden in bestimmten Situationen bei Nikolina "angetriggert" und dann erscheint es der Jugendlichen so, als würde alles wieder "gerade eben" geschehen. Die Auslöser für den letzten "Anfall" war ein Konflikt mit einem Lehrer in der Schule.
Nikolina befindet sich in der Gruppentherapie (Unterstützungsgruppe) und in Einzeltherapie.